Was ist eine Vorsorgevollmacht?
Eine Vorsorgevollmacht ist ein rechtliches Dokument das einer selbst gewählten Vertrauensperson die Befugnis gibt, im Fall der eigenen Geschäfts- oder Einwilligungsunfähigkeit alle wichtigen Entscheidungen zu treffen — für Gesundheit, Finanzen und rechtliche Angelegenheiten.
Ohne Vorsorgevollmacht kann niemand — nicht einmal der Ehepartner oder die Kinder — automatisch für den Betroffenen entscheiden. Das Familiengericht muss dann einen gesetzlichen Betreuer bestellen. Das dauert in der Praxis oft Wochen bis Monate und verursacht erheblichen bürokratischen und emotionalen Aufwand.
Vorsorgevollmacht vs. Betreuungsverfügung
Vorsorgevollmacht vs. Patientenverfügung
Was muss in die Vorsorgevollmacht?
Eine Vorsorgevollmacht sollte alle Lebensbereiche abdecken in denen Entscheidungen anfallen könnten. Die wichtigsten Bereiche:
Gesundheit und Pflege
Einwilligung in medizinische Behandlungen, Ablehnung lebensverlängernder Maßnahmen (in Kombination mit Patientenverfügung), Wahl des Pflegeheims oder der häuslichen Pflege, Pflegevertrag unterschreiben.
Aufenthaltsbestimmung
Entscheidung wo der Betroffene lebt — zuhause, im Pflegeheim, in der eigenen Wohnung mit Betreuung.
Vermögensverwaltung
Bankkonten führen, Rechnungen bezahlen, Steuererklärung einreichen, Verträge unterschreiben, Immobilien verwalten.
Behörden und Ämter
Post entgegennehmen, Behördenkommunikation führen, Kranken- und Pflegekasse kontaktieren.
Vorsorgevollmacht erstellen — Schritt für Schritt
Vorlage besorgen
Das Bundesministerium der Justiz bietet kostenlose Musterdokumente an (bmj.de). Alternativ: Anwalt oder Notar für individuelle Gestaltung hinzuziehen.
Vertrauensperson bestimmen
Wen vertraue ich? Wer ist bereit das zu übernehmen? Das Gespräch mit der Person vorab führen — Vollmacht niemals überraschend ausstellen.
Dokument ausfüllen und unterschreiben
Vollständig ausfüllen, Datum eintragen und eigenhändig unterschreiben. Bei gedrucktem Dokument reicht die Unterschrift. Handschriftliche Vollmachten können vollständig handgeschrieben sein.
Im Zentralen Vorsorgeregister registrieren
Bundesnotarkammer.de → Zentrales Vorsorgeregister. Kostenpflichtig (ca. 15 €) aber empfohlen: So kann die Vollmacht im Notfall schnell gefunden werden.
Original sicher aufbewahren und Kopien verteilen
Original an einem sicheren Ort. Kopie beim Bevollmächtigten. Kopie beim Hausarzt. Kopie beim Notar wenn notariell beglaubigt.
Notariell oder nicht — was ist nötig?
| Form | Wann ausreichend | Kosten |
|---|---|---|
| Einfache Unterschrift | Für die meisten Bereiche — Pflege, Gesundheit, Behörden | Kostenlos |
| Notarielle Beglaubigung | Viele Banken fordern das für Kontovollmacht | Ca. 70 € |
| Notarielle Beurkundung | Pflicht für Immobiliengeschäfte | Ca. 150–500 € je nach Wert |
Bedeutung für die Pflege-Organisation
Wer Pflege organisiert — ob 24h-Pflege oder Pflegeheim — braucht eine gültige Vollmacht. Ohne sie kann niemand für den Pflegebedürftigen unterschreiben oder entscheiden.
Pflegegrad beantragen
Pflegevertrag mit Primundus unterschreiben
Medizinische Entscheidungen
Weitere wichtige Dokumente: Patientenverfügung aufsetzen · Pflegevertrag aufsetzen
Häufige Fragen zur Vorsorgevollmacht
Was ist eine Vorsorgevollmacht?
Ein Dokument das einer Vertrauensperson erlaubt, bei eigener Geschäftsunfähigkeit alle wichtigen Entscheidungen zu treffen — medizinisch, finanziell, rechtlich. Ohne Vollmacht muss das Gericht einen Betreuer bestellen.
Muss eine Vorsorgevollmacht notariell beglaubigt werden?
Nein — für Pflege, Gesundheit und Behörden reicht eine Unterschrift. Für Bankgeschäfte verlangen viele Institute eine notarielle Beglaubigung (ca. 70 €). Für Immobiliengeschäfte ist Beurkundung Pflicht.
Warum ist die Vollmacht für die Pflege wichtig?
Mit Vollmacht kann der Bevollmächtigte sofort Pflegegrad beantragen, Verträge unterschreiben und medizinische Entscheidungen treffen. Ohne Vollmacht dauert ein gerichtliches Betreuungsverfahren Wochen bis Monate.
Kann man eine Vorsorgevollmacht widerrufen?
Ja — jederzeit, solange man geschäftsfähig ist. Das Original zurückfordern und eine schriftliche Widerrufserklärung ausstellen. Im Zentralen Vorsorgeregister ggf. löschen lassen.
Was kostet eine Vorsorgevollmacht?
Selbst erstellt: kostenlos (Vorlage vom Bundesministerium der Justiz). Notarielle Beglaubigung: ca. 70 €. Notarielle Beurkundung: ca. 150–500 €. Registrierung im Zentralen Vorsorgeregister: ca. 15 €.






