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Ratgeber Sicherheit

Sturzprävention Senioren — wie man Stürze wirklich verhindert

Stürze sind die häufigste Unfallursache bei Menschen über 65 — und einer der häufigsten Auslöser für den Einstieg in intensive Pflege. Das Gute: Sturzrisiko ist zu einem erheblichen Teil vermeidbar. Gleichgewichtstraining allein senkt die Zahl der Stürze um rund ein Viertel (Cochrane-Übersicht 2019). Die Wohnungssicherung tut ihr Übriges.

Aktualisiert am 25. April 2026 · 6 Min. Lesezeit

Bekannt aus

  • ARD
  • NDR
  • SAT.1
  • Die Welt
  • Bild der Frau
  • Frankfurter Allgemeine

Risikofaktoren erkennen

Wer die Risikofaktoren kennt, kann gezielt ansetzen. Viele sind modifizierbar — das heißt: behandelbar oder ausschaltbar.

Körperliche Faktoren

  • Muskelschwäche in Beinen und Rumpf
  • Eingeschränktes Gleichgewicht
  • Gangstörungen, Parkinson-Tremor
  • Schwindel, Kreislaufprobleme
  • Eingeschränktes Sehvermögen

Medikamente

  • Beruhigungsmittel, Schlaftabletten
  • Blutdruckmittel (Schwindel)
  • Diuretika (schnelles Aufstehen nötig)
  • Mehr als 4 Medikamente gleichzeitig
  • Neue Medikamente → Arzt fragen

Umgebungsrisiken

  • Lose Teppiche, Kabel am Boden
  • Schlechte Beleuchtung
  • Fehlende Haltegriffe
  • Nasse Böden im Bad
  • Ungeeignetes Schuhwerk

Psychische Faktoren

  • Sturzangst (paradoxerweise erhöht Sturzrisiko)
  • Unterschätzung eigener Einschränkungen
  • Eile, Ungeduld
  • Nachts keine Brille aufsetzen

Wohnung sichern — die wichtigsten Maßnahmen

Bad & WC

Haltegriffe neben Dusche, Badewanne und WC (wichtigste Einzelmaßnahme). Rutschfeste Matten. Erhöhter WC-Sitz. Badewannenlifter oder begehbare Dusche.

Flur & Treppenhaus

Handläufe beidseitig an Treppen. Gut befestigte Teppichläufer oder entfernen. Nachtlicht mit Bewegungsmelder auf dem Weg zur Toilette.

Schlafzimmer

Bett auf optimale Höhe einstellen (Fußsohlen vollständig auf dem Boden beim Sitzen). Nachtlampe griffbereit. Rutschfeste Schuhe neben dem Bett.

Wohnzimmer

Lose Teppiche entfernen oder befestigen. Kabel wegräumen. Freie Wege ohne Hindernisse. Sessel und Sofa auf optimale Aufstehehöhe prüfen.

Förderung bis 4.180 €/Maßnahme: Barrierefreies Zuhause gestalten

Übungen & Training — was wirklich hilft

Gleichgewichts- und Krafttraining sind die wirksamsten Maßnahmen gegen Sturzrisiko. Die Cochrane-Übersicht von 2019 zeigt: Regelmäßiges Gleichgewichts- und Krafttraining senkt die Zahl der Stürze um rund ein Drittel. Täglich 10–15 Minuten sind wirksamer als ein langer Sporttag pro Woche.

Einbeinstand

Gleichgewicht

  • An Küchentisch oder Stuhl festhalten, ein Bein heben, 10–30 Sekunden halten. Täglich 3×, jedes Bein. Wenn sicher: Festhalten loslassen.

Aufstehen vom Stuhl ohne Hände

Kraft & Balance

  • Langsam ohne Zuhilfenahme der Hände aufstehen und hinsetzen. 10 Wiederholungen. Stärkt Beinmuskulatur und verbessert Gleichgewicht.

Tandemgang

Gleichgewicht

  • Fuß vor Fuß auf einer Linie gehen (wie auf einem Seil balancieren). Entlang Küchentisch oder Wand zur Sicherheit. Täglich 5 Meter vor und zurück.

Zehenspitzenstand

Kraft

  • An Stuhl festhalten, auf Zehenspitzen heben und langsam senken. 15 Wiederholungen. Stärkt Unterschenkelmuskulatur und verbessert Gleichgewicht.

Tai Chi oder Yoga für Senioren

Gleichgewicht & Kraft

  • Kurse in Volkshochschulen oder Sportvereinen, auch als Video möglich. Für Tai Chi zeigt die Cochrane-Übersicht 2019 rund ein Fünftel weniger Stürze.

Hilfsmittel & Versorgung

Gehstock / Rollator

Krankenkasse

  • Arztrezept nötig. Rollator hat mehr Stabilität als Gehstock — bei höherem Sturzrisiko bevorzugen.

Hüftprotektor

Hilfsmittelliste

  • Polstereinlage in der Unterwäsche die bei Sturz Hüfte schützt. Besonders bei erhöhtem Sturzrisiko und Osteoporose sinnvoll.

Hausnotruf

Pflegekasse: bis 25,50 €/Mo

  • Wenn Sturz passiert und niemand da ist: Hausnotruf ermöglicht schnelle Hilfe.

Orthopädische Schuhe

Krankenkasse (ärztl. Verordnung)

  • Bei Gangstörungen oder Fehlstellungen die Sturzrisiko erhöhen.

Häufige Fragen

Wie kann man Stürze im Alter verhindern?

Die wirksamsten Maßnahmen: Gleichgewichtstraining (rund ein Viertel weniger Stürze), Wohnungssicherung (Haltegriffe, rutschfreie Böden), Medikamente auf Schwindelnebenwirkungen überprüfen lassen, gutes Schuhwerk, regelmäßiger Sehcheck.

Welche Übungen helfen gegen Sturzgefahr?

Einbeinstand, Aufstehen vom Stuhl ohne Hände, Tandemgang, Zehenspitzenstand. Tai Chi senkt die Zahl der Stürze laut Cochrane-Übersicht 2019 um rund ein Fünftel. Täglich 10–15 Minuten sind wirksamer als ein langer Sporttag.

Bezahlt die Krankenkasse Hilfsmittel zur Sturzprävention?

Rollator und Gehstock: Krankenkasse mit Rezept. Hausnotruf: als Pflegehilfsmittel über die Pflegekasse (bis 25,50 €/Monat). Hüftprotektor: oft über Hilfsmittelliste. Wohnraumanpassungen: Pflegekasse bis 4.180 €/Maßnahme.

Was tun wenn jemand gestürzt ist?

Nicht sofort aufrichten wenn Verletzung möglich. Notarzt rufen bei Verdacht auf Knochenbruch, Kopfverletzung oder Bewusstlosigkeit. Danach Arzt aufsuchen, Ursache des Sturzes analysieren, Präventionsmaßnahmen anpassen.

Erfahrungen von Familien

Das sagen unsere Familien

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