Siegel DIE WELT Service-Champions 2021

Ratgeber Pflegegrad

Pflegegrad beantragen — Schritt für Schritt

Pflegegrad beantragen geht in zwei Schritten: Antrag bei der Pflegekasse stellen, dann kommt der Medizinische Dienst zur Begutachtung nach Hause. Die Entscheidung fällt innerhalb von 25 Arbeitstagen. Wer gut vorbereitet ist, erreicht einen höheren Pflegegrad — mit deutlich mehr Leistungen.

Aktualisiert am 25. April 2026 · 7 Min. Lesezeit

Bekannt aus

  • ARD
  • NDR
  • SAT.1
  • Die Welt
  • Bild der Frau
  • Frankfurter Allgemeine

Wer kann einen Pflegegrad beantragen?

Einen Pflegegrad kann jeder beantragen, der wegen einer körperlichen, geistigen oder psychischen Erkrankung auf dauerhafte Hilfe im Alltag angewiesen ist — und das voraussichtlich für mindestens sechs Monate. Alter spielt dabei keine Rolle: Pflegegrade werden sowohl für Kinder als auch für Hochbetagte vergeben.

Den Antrag können stellen: der Pflegebedürftige selbst, nahe Angehörige, oder Personen mit schriftlicher Vollmacht. Eine Vorsorgevollmacht vereinfacht den Prozess erheblich, wenn die betroffene Person nicht mehr selbst handeln kann.

Wichtig: Die Pflegeleistungen gelten rückwirkend ab dem Tag, an dem der Antrag bei der Pflegekasse eingegangen ist — nicht erst ab dem Begutachtungstermin. Deshalb lohnt es sich, den Antrag so früh wie möglich zu stellen, auch wenn der genaue Pflegebedarf noch unklar ist.

Körperliche Erkrankungen

Nach Schlaganfall, bei Herzinsuffizienz, Parkinson, MS, Osteoporose, nach Hüft- oder Knie-OP, bei Krebs oder chronischen Erkrankungen.

Kognitive und psychische Erkrankungen

Demenz, Alzheimer, Depression, geistige Behinderung, Psychosen. Demenz wird beim Pflegegrad oft besser berücksichtigt als früher bei Pflegestufen.

Kinder mit Pflegebedarf

Kinder unter 18 Jahren werden mit einem Vergleichskind gleichen Alters gemessen — der Mehrbedarf gegenüber altersüblicher Entwicklung zählt.

Welcher Pflegegrad bei welcher Erkrankung in Frage kommt: Pflegegrad bei Demenz · Pflegegrad nach Schlaganfall · Pflegegrad bei Parkinson

Antrag stellen — Schritt für Schritt

Der Antrag läuft über die Pflegekasse — das ist immer der Pflegebereich der gesetzlichen Krankenkasse. Bei privat Versicherten übernimmt das private Pflegeversicherungsunternehmen.

  1. Antrag bei der Pflegekasse stellen

    Telefonisch, schriftlich oder per Online-Formular — je nach Krankenkasse. Ein einfaches Schreiben reicht: "Ich beantrage hiermit die Feststellung der Pflegebedürftigkeit nach SGB XI." Das Datum des Eingangs gilt rückwirkend für alle Leistungen.

    Sofort erledigen
  2. Pflegetagebuch beginnen

    Mindestens 1–2 Wochen vor der Begutachtung täglich dokumentieren: Welche Hilfe wird bei welcher Tätigkeit benötigt? Wie lange dauert das? Was kann selbst gemacht werden, was nicht? Das Pflegetagebuch ist das stärkste Argument für eine höhere Einstufung.

    Wichtigstes Vorbereitungsmittel
  3. Begutachtungstermin vereinbaren

    Der MD (Medizinischer Dienst bei gesetzlich Versicherten) oder MEDICPROOF (bei privat Versicherten) meldet sich und vereinbart einen Termin. Die Begutachtung findet zu Hause statt — Krankenhäuser und Pflegeheime sind ebenfalls möglich.

    Wird von der Pflegekasse organisiert
  4. Begutachtungstermin wahrnehmen

    Den Gutachter empfangen, Pflegetagebuch und ärztliche Atteste bereithalten. Eine Vertrauensperson darf anwesend sein — das ist ausdrücklich empfohlen. Nichts beschönigen: Den tatsächlichen schlechtesten Tagesverlauf schildern, nicht den guten Tag.

    Vertrauensperson einladen
  5. Bescheid abwarten und prüfen

    Die Pflegekasse schickt den schriftlichen Bescheid. Prüfen: Ist der Pflegegrad korrekt? Stimmen die angegebenen Einschränkungen? Bei Zweifeln sofort Widerspruch einlegen — die Frist beträgt einen Monat ab Bescheiddatum.

    Frist: 1 Monat ab Bescheid

Gesetzliche Fristen — Rechte kennen

25 Arbeitstage
Entscheidungsfrist der Pflegekasse nach Antragseingang
1 Woche
Verkürzte Frist bei Krankenhausaufenthalt oder ambulanter Reha
70 €/Woche
Entschädigung wenn die Pflegekasse die 25-Tage-Frist überschreitet
1 Monat
Widerspruchsfrist nach Bescheiddatum — danach verfällt der Anspruch

Die Begutachtung durch den MD

Der Gutachter des Medizinischen Dienstes bewertet die Selbstständigkeit in sechs Lebensbereichen. Das Ergebnis ist eine Punktzahl — sie bestimmt den Pflegegrad. Entscheidend ist nicht die Diagnose, sondern wie stark die Selbstständigkeit tatsächlich eingeschränkt ist.

Die 6 Lebensbereiche der Begutachtung (NBA)

MobilitätAufstehen, Gehen, Treppensteigen, Positionswechsel
Kognition & KommunikationOrientierung, Gedächtnis, Entscheidungen treffen, Gespräche führen
Verhaltensweisen & psychische ProblemeÄngste, Aggressionen, Schlafstörungen, Selbstgefährdung
SelbstversorgungKörperpflege, Ankleiden, Essen, Trinken, Ausscheidungen
Krankheitsbedingte AnforderungenMedikamente, Verbandswechsel, Arztbesuche, Therapien
Alltagsleben & soziale KontakteTagesstruktur, Freizeitgestaltung, Kontakte zu anderen Menschen

Jeder Bereich wird gewichtet und in Punkte umgerechnet. Die Summe ergibt den Pflegegrad. Der Bereich Selbstversorgung hat das höchste Gewicht (36 %), danach folgen kognitive Fähigkeiten und krankheitsbedingte Anforderungen.

Die 5 wichtigsten Tipps für die Begutachtung:

Den schlechtesten Tag schildern

Nicht den guten Durchschnittstag beschreiben. Der Gutachter fragt nach dem typischen schlechtesten Verlauf — genau das berichten.

Pflegetagebuch vorlegen

Tagesprotokoll der letzten 1–2 Wochen zeigen: Was wurde wann gemacht, welche Hilfe war nötig, wie lange hat es gedauert?

Vertrauensperson dabei haben

Angehörige können wichtige Details ergänzen die dem Pflegebedürftigen entfallen. Das ist ausdrücklich erlaubt.

Nichts übertreiben — aber nichts verschweigen

Reale Einschränkungen vollständig schildern. Wer aus Scham minimiert, bekommt einen zu niedrigen Pflegegrad.

Arztberichte und Atteste bereithalten

Aktuelle ärztliche Unterlagen, Krankenhausentlassbriefe, Medikamentenliste — alles was den Pflegebedarf belegt.

Ausführliche Vorbereitung: MD-Begutachtung vorbereiten — Checkliste und Tipps

Pflegegrade und ihre Leistungen 2026

Je höher der Pflegegrad, desto mehr Leistungen zahlt die Pflegekasse. Die Beträge 2026 sind identisch zu 2025 — keine Erhöhung, nächste Dynamisierung frühestens Januar 2028.

Pflegegeld & Sachleistungen 2026 — alle Pflegegrade

PflegegradPunkte NBAPflegegeld/MonatPflegesachleistungen+ Entlastungsbetrag
PG 112,5–26,9——131 €
PG 227–47,4347 €796 €131 €
PG 347,5–69,9599 €1.497 €131 €
PG 470–89,9800 €1.859 €131 €
PG 590–100990 €2.299 €131 €

Stand: 2026 — identisch zu 2025 (4,5 % Erhöhung ab Jan. 2025). Nächste Dynamisierung frühestens Jan. 2028. Quelle: GKV-Spitzenverband

Zusätzlich — Entlastungsbudget 2026

3.539 € pro Jahr für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege (ab PG 2)

Das gemeinsame Entlastungsbudget seit Juli 2025 ersetzt die frühere getrennte Verhinderungs- und Kurzzeitpflege. Es kann flexibel aufgeteilt werden — max. 8 Wochen pro Leistungsart. 2026 ist das erste volle Jahr ohne Übergangsregelungen.

Einzelne Pflegegrade im Detail: PG 2 · PG 3 · PG 4 · PG 5

Wie alle Zuschüsse kombiniert werden: Finanzierung der 24h-Pflege — alle Zuschüsse 2026

Widerspruch einlegen — wenn die Einstufung zu niedrig ist

Wer mit dem Bescheid nicht einverstanden ist, hat einen Monat Zeit für den Widerspruch. Widersprüche sind häufig erfolgreich — besonders wenn der Pflegebedarf nicht gut dokumentiert war. Die Pflegekasse muss dann erneut prüfen.

Widerspruch einlegen

Schriftlich innerhalb eines Monats nach Bescheiddatum — per Brief oder E-Mail an die Pflegekasse. Begründung mitschicken: Was wurde falsch bewertet? Welche Einschränkungen hat der Gutachter übersehen?

Pflegetagebuch nachreichen

Das nachgereichte Pflegetagebuch ist das stärkste Argument im Widerspruchsverfahren. Tagesprotokoll für die nächsten 2–4 Wochen führen und dem Widerspruch beilegen.

Gegengutachten beauftragen

Ein unabhängiger Pflegegutachter kann die Begutachtung wiederholen. Die Kosten trägt in der Regel der Antragsteller (ca. 150–400 €), können aber im Erfolgsfall erstattet werden.

Klage beim Sozialgericht

Wenn der Widerspruch abgelehnt wird, ist eine Klage beim Sozialgericht möglich — kostenlos, kein Anwalt nötig. Erfolgsquote ist hoch wenn der Pflegebedarf gut belegt ist.

Häufige Fragen zum Pflegegrad beantragen

Wie beantrage ich einen Pflegegrad?

Schriftlich oder telefonisch bei der Pflegekasse (Krankenkasse) einen Antrag auf Pflegeleistungen stellen. Dann kommt der Medizinische Dienst zur Begutachtung nach Hause. Die Pflegekasse entscheidet innerhalb von 25 Arbeitstagen und schickt den Bescheid.

Wer kann einen Pflegegrad beantragen?

Jeder der wegen einer körperlichen, geistigen oder psychischen Erkrankung voraussichtlich mindestens 6 Monate auf Hilfe im Alltag angewiesen ist. Den Antrag können auch Angehörige oder Bevollmächtigte stellen.

Wie lange dauert es bis der Pflegegrad bewilligt wird?

Maximal 25 Arbeitstage nach Antragseingang — gesetzlich vorgeschrieben. Bei Krankenhausaufenthalt oder Reha nur eine Woche. Hält die Pflegekasse die Frist nicht ein, hat der Antragsteller Anspruch auf 70 Euro Entschädigung pro Woche Verzögerung.

Was passiert bei der MD-Begutachtung?

Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes bewertet die Selbstständigkeit in sechs Lebensbereichen: Mobilität, Kognition, Verhaltensweisen, Selbstversorgung, krankheitsbedingte Anforderungen und Alltagsleben. Die Punktzahl bestimmt den Pflegegrad.

Was sind die Pflegegeld-Beträge 2026?

Pflegegrad 2: 347 €/Monat · Pflegegrad 3: 599 €/Monat · Pflegegrad 4: 800 €/Monat · Pflegegrad 5: 990 €/Monat. Dazu 131 €/Monat Entlastungsbetrag und 3.539 €/Jahr Entlastungsbudget für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege. Keine Erhöhung für 2026 — nächste Dynamisierung frühestens Januar 2028.

Was tun wenn der Pflegegrad abgelehnt oder zu niedrig ist?

Innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch bei der Pflegekasse einlegen. Pflegetagebuch nachreichen und ggf. ein Gegengutachten beauftragen. Widersprüche sind häufig erfolgreich wenn der Pflegebedarf gut dokumentiert ist.

Ab wann gelten die Pflegeleistungen?

Rückwirkend ab dem Datum des Antragseingangs bei der Pflegekasse — nicht erst ab dem Begutachtungstermin oder dem Bescheid. Deshalb: Antrag so früh wie möglich stellen.

Kann ich den Pflegegrad später erhöhen lassen?

Ja — jederzeit wenn sich der Pflegebedarf verschlechtert. Antrag auf Höherstufung bei der Pflegekasse stellen, der MD begutachtet erneut. Es gibt keine Sperrfrist.

Erfahrungen von Familien

Das sagen unsere Familien

  • August 2026
    „Meine Mutter wollte am Anfang auf gar keinen Fall eine fremde Person im Haus. Eine Woche später saßen sie und Agnieszka morgens schon zusammen beim Kaffee. Hätte ich so wirklich nicht erwartet.“
    Andrea S.Düsseldorf
  • Juni 2026
    „Die erste Dame hätte aus unserer Sicht nicht gut zu meinem Vater gepasst. Wir konnten aber ohne Diskussion ablehnen und uns jemand anderes aussuchen. Mit dem zweiten Vorschlag läuft es bis jetzt sehr gut.“
    Ralf T.Bonn
  • Februar 2026
    „Sonntagabend ein Problem mit der geplanten Anreise gehabt. Marta hat zurückgerufen und es geklärt. Genau in solchen Situationen merkt man, wie wichtig Erreichbarkeit ist.“
    Andrea J.Heidelberg
  • September 2026
    „Seit Maria bei meiner Mutter ist, ist bei uns allen etwas Ruhe eingekehrt. Die beiden verstehen sich wirklich gut. Hoffentlich bleibt das so :-)“
    Petra K.Hamburg
  • September 2026
    „Ich wollte zuerst eigentlich nur wissen was das ungefähr kostet. Hier konnte ich den Preis und die verfügbaren Betreuungskräfte gleich sehen, das war bei den anderen Anbietern deutlich umständlicher.“
    Thomas R.Köln
  • August 2026
    „Die Anreise war ehrlich gesagt ziemlich chaotisch. Wir wussten ein paar Stunden lang nicht genau wann die Betreuungskraft kommt, das war unnötiger Stress. Seit sie da ist läuft es aber gut.“
    Michael B.München
  • August 2026
    „Mir gefällt, dass wir selbst mitentscheiden konnten. Es geht schließlich um jemanden, der bei meinem Vater lebt und nicht um irgendeine anonyme Dienstleistung.“
    Jürgen H.Bremen
  • August 2026
    „Sonntag noch eine Frage geschickt und tatsächlich am gleichen Tag Antwort bekommen. Damit hatte ich nicht gerechnet.“
    Karin M.Mainz
  • Juli 2026
    „Olga ist ein Schatz und passt einfach zu meiner Mutter. Mehr muss man eigentlich nicht sagen“
    Wolfgang E.Nürnberg
Alle 126 Bewertungen lesen →