Hilfsmittel · 7 Min

Rollator & Rollstuhl beantragen: auf Rezept, ohne Pflegegrad

Marta Kapcio
Marta Kapcio

Pflegeberaterin bei Primundus · Aktualisiert am 20. August 2026

Das Wichtigste zuerst: Für einen Rollator oder Rollstuhl brauchen Sie keinen Pflegegrad — nur ein Rezept vom Arzt. Zuständig ist die Krankenkasse, die Zuzahlung beträgt 5 bis 10 Euro. Hier steht, wie der Antrag Schritt für Schritt läuft, was der Pflegegrad zusätzlich bringt und was Sie tun können, wenn die Kasse ablehnt.

Krankenkasse oder Pflegekasse — wer zahlt was?

Die häufigste Verwirrung zuerst: Hilfsmittel wie Rollator, Rollstuhl oder Duschhocker gleichen eine körperliche Einschränkung aus — sie zahlt die Krankenkasse auf ärztliche Verordnung, völlig unabhängig davon, ob ein Pflegegrad besteht. Pflegehilfsmittel dagegen erleichtern die Pflege zuhause — dafür ist die Pflegekasse zuständig, und hier braucht es einen Pflegegrad. Manche Produkte wie das Pflegebett können je nach Begründung über beide Wege laufen — das Sanitätshaus ordnet den richtigen Weg mit zu.

Rollator oder Rollstuhl auf Rezept: so läuft der Antrag

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Zum Arzt gehen

Hausarzt oder Facharzt stellt bei medizinischer Notwendigkeit eine Hilfsmittel-Verordnung aus — das „Rezept". Schildern Sie den Alltag konkret: Stürze, unsichere Wege, Schmerzen beim Gehen.

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Zum Sanitätshaus mit Kassenvertrag

Das Sanitätshaus prüft die Verordnung, berät zum passenden Modell und reicht den Antrag direkt bei Ihrer Krankenkasse ein — Sie müssen meist nichts selbst einsenden. Wichtig: ein Vertragspartner Ihrer Kasse sein (kurz nachfragen).

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Genehmigung abwarten

Die Kasse muss grundsätzlich binnen drei Wochen entscheiden, mit Medizinischem Dienst binnen fünf. Verstreicht die Frist ohne Rückmeldung und ohne mitgeteilten Grund, gilt der Antrag als genehmigt (§ 13 Abs. 3a SGB V).

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Hilfsmittel erhalten

Oft kommt ein Leihgerät aus dem Bestand der Kasse — geprüft und aufbereitet. Die gesetzliche Zuzahlung für Erwachsene: 10 Prozent des Preises, mindestens 5, höchstens 10 Euro. Wer ein Wunschmodell über dem Standard möchte, zahlt die Differenz privat dazu.

Tipp: Notieren Sie sich das Antragsdatum. Die Fristen laufen ab Eingang bei der Kasse — und sie sind Ihr stärkstes Druckmittel.

Was der Pflegegrad zusätzlich bringt

Für Rollator und Rollstuhl ist der Pflegegrad also nicht nötig — aber wer einen hat, bekommt mehr: Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (Handschuhe, Betteinlagen, Desinfektion) bis 42 €/Monat ohne Zuzahlung, technische Pflegehilfsmittel wie Pflegebett oder Hausnotruf über die Pflegekasse — und Zuschüsse für Wohnumfeldverbesserung bis 4.180 € je Maßnahme, etwa für den Badumbau oder Türverbreiterungen, damit der Rollstuhl überhaupt durchpasst.

→ Noch kein Pflegegrad? Erste Einschätzung im Pflegegrad-Rechner · Pflegehilfsmittel beantragen · Wohnumbau-Förderung

Wenn die Kasse ablehnt: Widerspruch lohnt sich

Gegen eine Ablehnung können Sie innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch einlegen — formlos, mit Aktenzeichen und kurzer Begründung. Stärken Sie den Widerspruch mit einer ergänzenden Stellungnahme des Arztes, warum genau dieses Hilfsmittel im Alltag notwendig ist. Viele Ablehnungen werden im Widerspruchsverfahren korrigiert; hilft das nicht, bleibt die kostenfreie Klage vor dem Sozialgericht.

Wichtige Hilfsmittel im Überblick

HilfsmittelZuständigVoraussetzung
RollatorKrankenkasseRezept vom Arzt
RollstuhlKrankenkasseRezept vom Arzt
Duschhocker, BadewannenlifterKrankenkasseRezept vom Arzt
PflegebettKranken- oder PflegekasseRezept bzw. Pflegegrad
HausnotrufPflegekassePflegegrad 1–5
Verbrauchs-Pflegehilfsmittel (42 €/Monat)PflegekassePflegegrad 1–5
Wohnumfeldverbesserung (bis 4.180 €)PflegekassePflegegrad 1–5

Stand August 2026 · gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung; bei privaten Kassen gelten die Tarifbedingungen

Häufige Fragen

Bekommt man einen Rollator ohne Pflegegrad?

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Ja. Rollator und Rollstuhl sind Hilfsmittel der Krankenkasse — es genügt ein Rezept vom Arzt, ein Pflegegrad ist nicht nötig. Der Pflegegrad spielt erst bei Pflegehilfsmitteln eine Rolle, etwa der monatlichen Pflegehilfsmittel-Pauschale oder Zuschüssen für den Wohnungsumbau.

Was kostet ein Rollator oder Rollstuhl auf Rezept?

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Für Erwachsene fällt die gesetzliche Zuzahlung von 5 bis 10 Euro an — den Rest übernimmt die Krankenkasse für das Standardmodell, oft als Leihgabe. Wer ein höherwertiges Modell möchte, zahlt die Differenz selbst (wirtschaftliche Aufzahlung).

Wie lange dauert die Genehmigung durch die Krankenkasse?

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Die Kasse muss grundsätzlich innerhalb von drei Wochen entscheiden — wird der Medizinische Dienst eingeschaltet, innerhalb von fünf Wochen. Meldet sie sich in dieser Frist nicht und teilt auch keinen Grund mit, gilt der Antrag nach § 13 Abs. 3a SGB V als genehmigt.

Steht mir bei Pflegegrad 3 automatisch ein Rollstuhl zu?

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Nein — aber er ist unabhängig vom Pflegegrad erreichbar: Entscheidend ist die medizinische Notwendigkeit, die der Arzt mit dem Rezept bescheinigt. Wer wegen einer Geh-Einschränkung einen Rollstuhl braucht, bekommt ihn über die Krankenkasse — mit Pflegegrad 3 genauso wie ganz ohne Pflegegrad.