6 Min Lesezeit · Apr. 2026

Scheinselbstständigkeit in der Pflege — was es ist & wie man es vermeidet

Tausende Familien beschäftigen "selbstständige Pflegekräfte" ohne zu wissen dass sie damit ein erhebliches rechtliches Risiko eingehen. Scheinselbstständigkeit bedeutet: Die Behörden werten das Verhältnis als verstecktes Arbeitsverhältnis — und fordern alle Sozialversicherungsbeiträge nach. Rückwirkend. Für bis zu vier Jahre.

Das Risiko ist real — und wächst

Die Behörden (Rentenversicherung, Zoll, Staatsanwaltschaft) prüfen die häusliche Pflege zunehmend aktiv. Betriebsprüfungen, Nachbarsanzeigen, Beschwerden von Konkurrenten — die Wege zur Entdeckung sind vielfältig. Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt das Entsendemodell.

Was ist Scheinselbstständigkeit?

Scheinselbstständigkeit liegt vor wenn jemand formal als Selbstständige(r) abgerechnet wird, die tatsächliche Tätigkeit aber einem Arbeitsverhältnis entspricht. In der Pflege ist das besonders häufig: Eine Pflegekraft, die dauerhaft in einem Haushalt tätig ist, feste Arbeitszeiten hat, persönlich leistet und kein eigenes Unternehmerrisiko trägt, ist faktisch eine Angestellte — unabhängig davon wie das Vertragsdokument es nennt.

Der Begriff kommt daher dass Selbstständigkeit nur "vorgetäuscht" wird — um Sozialversicherungsbeiträge und Arbeitsrecht zu umgehen. Das ist strafbar.

Woran erkennen Behörden Scheinselbstständigkeit?

Die Deutsche Rentenversicherung prüft nach diesen Kriterien — je mehr zutreffen, desto größer das Risiko:

Nur ein Auftraggeber

Wer ausschließlich für eine Familie tätig ist und keine anderen Kunden hat, ist faktisch angestellt — das ist das stärkste Indiz für Scheinselbstständigkeit.

Weisungsgebundenheit

Wenn die Familie vorgibt wann, wie und was die Kraft zu tun hat — also Weisungen erteilt wie ein Arbeitgeber — liegt ein Arbeitsverhältnis vor.

Persönliche Leistungserbringung

Wer keine Mitarbeiter einstellt und sich nicht vertreten lassen kann, hat kein Unternehmerrisiko — das spricht gegen echte Selbstständigkeit.

Feste Arbeitszeiten

Feste Anwesenheitszeiten (7–19 Uhr, oder 24h) sind typisch für Angestelltenverhältnisse.

Keine eigenen Betriebsmittel

Wer alle Arbeitsmittel vom "Auftraggeber" gestellt bekommt, trägt kein Unternehmerrisiko.

Kein eigenes Unternehmerrisiko

Festes monatliches Entgelt unabhängig vom Arbeitsvolumen ist ein Arbeitslohn — kein Honorar.

Folgen & Risiken bei Scheinselbstständigkeit

Nachzahlung Sozialversicherungsbeiträge

Beide Seiten — Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil — werden nachgefordert. Für bis zu 4 Jahre rückwirkend. Bei Vorsatz bis zu 30 Jahre. Bei 2.000 €/Monat Honorar für 3 Jahre: leicht 40.000–50.000 € Nachforderung.

Bußgelder

Ordnungswidrigkeiten nach SGB IV. Zusätzlich zu den Nachzahlungen.

Strafrechtliche Verfolgung

Vorenthaltung von Sozialversicherungsbeiträgen ist eine Straftat (§ 266a StGB) — Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahre möglich.

Nachzahlung Lohnsteuer

Das Finanzamt fordert ebenfalls nach — Lohnsteuer wurde auf das "Honorar" nicht einbehalten.

Wie man das Risiko vollständig vermeidet

Es gibt zwei legale Wege — mit klar unterschiedlichem Aufwand für die Familie:

Entsendemodell (empfohlen)

Die Betreuungskraft ist bei einem EU-Unternehmen (z.B. in Polen, Bulgarien, Rumänien) angestellt und wird mit A1-Bescheinigung nach Deutschland entsandt. Die Familie schließt nur einen Vertrag mit der deutschen Agentur (z.B. Primundus). Kein eigenes Arbeitsverhältnis, keine deutschen Sozialabgaben, vollständig rechtssicher.

Direktanstellung

Die Familie stellt die Pflegekraft direkt an — mit deutschem Arbeitsvertrag, Anmeldung bei Sozialversicherungsträgern, Lohnabrechnung, Urlaubsplanung. Rechtssicher, aber erheblicher Verwaltungsaufwand. Auch im Krankheitsfall muss die Familie selbst für Ersatz sorgen.

→ Vollständige Erklärung: Pflegekraft legal beschäftigen — die 3 Modelle

Häufige Fragen

Was ist Scheinselbstständigkeit in der Pflege?

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Wenn eine "selbstständige" Pflegekraft faktisch wie eine Angestellte tätig ist — feste Zeiten, nur ein Auftraggeber, persönliche Leistungserbringung. Die Behörden werten das als verstecktes Arbeitsverhältnis.

Welche Konsequenzen drohen?

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Nachzahlung aller Sozialversicherungsbeiträge (bis 4 Jahre rückwirkend), Bußgelder, strafrechtliche Verfolgung nach §266a StGB (bis 5 Jahre Freiheitsstrafe). Die Familie haftet als Arbeitgeberin.

Wie vermeidet man Scheinselbstständigkeit?

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Entsendemodell über eine seriöse Agentur — kein eigenes Arbeitsverhältnis, A1-Bescheinigung aus EU-Land, vollständig rechtssicher. Alternative: Direktanstellung mit Arbeitsvertrag und Sozialversicherungsanmeldung.

Ist das Entsendemodell wirklich legal?

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Ja — das Entsendemodell ist nach EU-Recht und deutschem Recht vollständig legal. Die A1-Bescheinigung belegt den legalen EU-Entsendestatus. Primundus hat in über 20 Jahren und 60.000+ Betreuungen kein einziges rechtliches Problem dieser Art gehabt.