6 Min Lesezeit · Apr. 2026

Patientenverfügung aufsetzen — Anleitung & Pflichtinhalte

Eine Patientenverfügung legt verbindlich fest welche medizinischen Maßnahmen man im Fall der Entscheidungsunfähigkeit wünscht oder ablehnt. Sie muss schriftlich sein und eigenhändig unterschrieben werden — ein Notar ist nicht nötig. Je konkreter die Formulierungen, desto wirksamer das Dokument.

Auf einen Blick

  • Rechtlich verbindlich — Ärzte und Pflegepersonen müssen sie beachten
  • Schriftform + eigenhändige Unterschrift + Datum — Notar nicht nötig
  • Regelmäßig aktualisieren — mit Datum und Unterschrift bestätigen
  • Gut verwahren: Original beim Arzt hinterlegen, Kopie bei Angehörigen
  • Ergänzung durch Vorsorgevollmacht empfohlen — für Entscheidungen die die PV nicht regelt
  • Bundesgesundheitsministerium bietet kostenloses Muster-Dokument an

Was ist eine Patientenverfügung?

Eine Patientenverfügung (§ 1827 BGB) ist ein schriftliches Dokument in dem man vorausschauend festlegt welche medizinischen Behandlungen man im Fall der eigenen Entscheidungsunfähigkeit wünscht und welche man ausdrücklich ablehnt. Sie greift wenn man selbst — zum Beispiel durch Bewusstlosigkeit, Demenz oder schwere Erkrankung — keine Entscheidungen mehr treffen kann.

Die Patientenverfügung ist rechtlich verbindlich: Ärzte, Pflegepersonen und Krankenhäuser sind gesetzlich verpflichtet sie zu beachten. Das unterscheidet sie von einer bloßen Wunschliste.

Typische Situationen in denen sie greift: Wachkoma, schwere Demenz im Endstadium, fortgeschrittener Krebs, schwerster Schlaganfall. Sie kann sowohl lebenserhaltende Maßnahmen ausdrücklich wünschen als auch ablehnen.

Was muss in die Patientenverfügung?

Je konkreter die Formulierungen, desto wirksamer. Allgemeine Aussagen wie "keine lebensverlängernden Maßnahmen" reichen oft nicht aus — Situationen und Maßnahmen müssen spezifiziert werden.

Persönliche Angaben

Pflicht

Vollständiger Name, Geburtsdatum, Adresse — damit zweifelsfrei klar ist wer das Dokument verfasst hat.

Konkrete Situationsbeschreibungen

Pflicht

Für welche Situationen soll die Verfügung gelten? Z.B.: "Wenn ich mich im Endstadium einer unheilbaren Erkrankung befinde..." oder "Wenn ich dauerhaft bewusstlos bin..."

Konkrete Maßnahmen — Wunsch oder Ablehnung

Pflicht

Künstliche Beatmung, Wiederbelebung, künstliche Ernährung, Dialyse, Antibiotikagabe — für jede Maßnahme festlegen ob gewünscht oder abgelehnt.

Eigenhändige Unterschrift + Datum

Pflicht

Handgeschriebene Unterschrift und Datum sind Pflicht für die Rechtsgültigkeit. Kein Notar nötig.

Schmerztherapie und Palliativversorgung

Wünsche zur Schmerzlinderung und palliativen Begleitung ausdrücklich festhalten.

Aussagen zur Organspende

Separat vom Organspendeausweis in die PV aufnehmen wenn gewünscht.

Kontaktperson / Bevollmächtigte

Wer soll kontaktiert werden? Wenn eine Vorsorgevollmacht besteht: Bevollmächtigte Person benennen.

Schritt für Schritt aufsetzen

  1. 1

    Muster-Vorlage besorgen

    Das Bundesgesundheitsministerium bietet eine kostenlose Muster-Patientenverfügung an — abrufbar unter bundesgesundheitsministerium.de. Als Ausgangspunkt gut geeignet.

  2. 2

    Situationen und Wünsche durchdenken

    Welche Situationen sollen abgedeckt sein? Welche Behandlungen werden ausdrücklich gewünscht, welche abgelehnt? Mit dem Hausarzt besprechen — er kann über die medizinische Realität der einzelnen Maßnahmen informieren.

  3. 3

    Konkret formulieren

    Keine allgemeinen Phrasen — konkrete Situationen und Maßnahmen benennen. Z.B. "keine künstliche Beatmung wenn..." statt "keine lebensverlängernden Maßnahmen".

  4. 4

    Eigenhändig unterschreiben und datieren

    Handschriftlich unterschreiben und Datum eintragen. Damit ist die PV rechtsgültig — kein Notar nötig.

  5. 5

    Gut verwahren und bekannt machen

    Original beim Hausarzt hinterlegen, Kopie bei Angehörigen und im Portemonnaie (Hinweiskarte). Wer eine Vorsorgevollmacht hat: Bevollmächtigte Person informieren.

  6. 6

    Regelmäßig aktualisieren

    Empfehlung: alle 2–3 Jahre erneut unterschreiben und datieren — das belegt den aktuellen Willen und stärkt die Rechtsgültigkeit.

Unterschied zur Vorsorgevollmacht

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht ergänzen sich — sie decken unterschiedliche Aspekte ab.

PatientenverfügungVorsorgevollmacht
Was sie regeltKonkrete medizinische Maßnahmen (Ja/Nein)Wer Entscheidungen trifft wenn man selbst nicht kann
Wann sie greiftBei EntscheidungsunfähigkeitBei Entscheidungsunfähigkeit
Notar nötig?Nein — Schriftform + Unterschrift reichtEmpfohlen für Immobilien; sonst nein
GrenzenKann nicht alle Situationen vorhersehenBevollmächtigte Person muss vertrauenswürdig sein
EmpfehlungImmer aufsetzenImmer zusätzlich aufsetzen

→ Vorsorgevollmacht erstellen: Vorsorgevollmacht erstellen — Anleitung & Muster

Häufige Fragen zur Patientenverfügung

Was ist eine Patientenverfügung?

+

Ein schriftliches Dokument in dem man vorausschauend festlegt welche medizinischen Behandlungen man bei Entscheidungsunfähigkeit wünscht oder ablehnt. Rechtlich verbindlich — Ärzte und Kliniken müssen sie beachten.

Muss eine Patientenverfügung notariell beglaubigt werden?

+

Nein — Schriftform und eigenhändige Unterschrift mit Datum reichen. Ein Notar ist nicht nötig, erhöht aber die Beweissicherheit.

Was passiert ohne Patientenverfügung?

+

Ohne PV entscheiden im Notfall zunächst Angehörige (wenn vorhanden und einig) oder ein gerichtlich bestellter Betreuer. Das kann zu Entscheidungen führen die nicht dem eigenen Wunsch entsprechen.

Kann man eine Patientenverfügung widerrufen?

+

Ja — jederzeit und ohne besondere Form. Es reicht die schriftliche Erklärung des Widerrufs oder die körperliche Vernichtung aller Exemplare.

Was ist der Unterschied zur Vorsorgevollmacht?

+

Die Patientenverfügung regelt direkt welche Behandlungen gewünscht/abgelehnt werden. Die Vorsorgevollmacht bestimmt eine Person die stellvertretend Entscheidungen trifft. Beide zusammen geben den umfassendsten Schutz.