6 Min Lesezeit · Apr. 2026

Sturzprävention Senioren — wie man Stürze wirklich verhindert

Stürze sind die häufigste Unfallursache bei Menschen über 65 — und einer der häufigsten Auslöser für den Einstieg in intensive Pflege. Das Gute: Sturzrisiko ist zu einem erheblichen Teil vermeidbar. Gleichgewichtstraining allein reduziert das Sturzrisiko nachweislich um 30–40 Prozent. Die Wohnungssicherung tut ihr Übriges.

Auf einen Blick — die wirksamsten Maßnahmen

  • Gleichgewichtstraining: reduziert Sturzrisiko um 30–40 % (täglich 10–15 Min reichen)
  • Haltegriffe im Bad und an der Toilette: günstiger Einbau, sofort wirksam
  • Medikamente überprüfen: Schwindel als Nebenwirkung ist häufig unterschätzt
  • Gutes Schuhwerk: feste Sohle, kein offenes Fersenteil, keine Hausschuhe ohne Halt
  • Beleuchtung: Nachtlicht auf Toilettenweg, Bewegungsmelder im Flur
  • Sehvermögen: regelmäßige Augencheck — schlechtes Sehen = hohes Sturzrisiko

Risikofaktoren erkennen

Wer die Risikofaktoren kennt, kann gezielt ansetzen. Viele sind modifizierbar — das heißt: behandelbar oder ausschaltbar.

Körperliche Faktoren

  • !Muskelschwäche in Beinen und Rumpf
  • !Eingeschränktes Gleichgewicht
  • !Gangstörungen, Parkinson-Tremor
  • !Schwindel, Kreislaufprobleme
  • !Eingeschränktes Sehvermögen

Medikamente

  • !Beruhigungsmittel, Schlaftabletten
  • !Blutdruckmittel (Schwindel)
  • !Diuretika (schnelles Aufstehen nötig)
  • !Mehr als 4 Medikamente gleichzeitig
  • !Neue Medikamente → Arzt fragen

Umgebungsrisiken

  • !Lose Teppiche, Kabel am Boden
  • !Schlechte Beleuchtung
  • !Fehlende Haltegriffe
  • !Nasse Böden im Bad
  • !Ungeeignetes Schuhwerk

Psychische Faktoren

  • !Sturzangst (paradoxerweise erhöht Sturzrisiko)
  • !Unterschätzung eigener Einschränkungen
  • !Eile, Ungeduld
  • !Nachts keine Brille aufsetzen

Wohnung sichern — die wichtigsten Maßnahmen

Bad & WC

Haltegriffe neben Dusche, Badewanne und WC (wichtigste Einzelmaßnahme). Rutschfeste Matten. Erhöhter WC-Sitz. Badewannenlifter oder begehbare Dusche.

Flur & Treppenhaus

Handläufe beidseitig an Treppen. Gut befestigte Teppichläufer oder entfernen. Nachtlicht mit Bewegungsmelder auf dem Weg zur Toilette.

Schlafzimmer

Bett auf optimale Höhe einstellen (Fußsohlen vollständig auf dem Boden beim Sitzen). Nachtlampe griffbereit. Rutschfeste Schuhe neben dem Bett.

Wohnzimmer

Lose Teppiche entfernen oder befestigen. Kabel wegräumen. Freie Wege ohne Hindernisse. Sessel und Sofa auf optimale Aufstehehöhe prüfen.

→ Förderung bis 4.180 €/Maßnahme: Barrierefreies Zuhause gestalten

Übungen & Training — was wirklich hilft

Gleichgewichts- und Krafttraining sind die wirksamsten Maßnahmen gegen Sturzrisiko. Studien zeigen: Regelmäßiges Training reduziert das Sturzrisiko um 30–40 %. Täglich 10–15 Minuten sind wirksamer als ein langer Sporttag pro Woche.

Einbeinstand

Gleichgewicht

An Küchentisch oder Stuhl festhalten, ein Bein heben, 10–30 Sekunden halten. Täglich 3×, jedes Bein. Wenn sicher: Festhalten loslassen.

Aufstehen vom Stuhl ohne Hände

Kraft & Balance

Langsam ohne Zuhilfenahme der Hände aufstehen und hinsetzen. 10 Wiederholungen. Stärkt Beinmuskulatur und verbessert Gleichgewicht.

Tandemgang

Gleichgewicht

Fuß vor Fuß auf einer Linie gehen (wie auf einem Seil balancieren). Entlang Küchentisch oder Wand zur Sicherheit. Täglich 5 Meter vor und zurück.

Zehenspitzenstand

Kraft

An Stuhl festhalten, auf Zehenspitzen heben und langsam senken. 15 Wiederholungen. Stärkt Unterschenkelmuskulatur und verbessert Gleichgewicht.

Tai Chi oder Yoga für Senioren

Gleichgewicht & Kraft

Kurse in Volkshochschulen oder Sportvereinen, auch als Video möglich. Besonders wirksam in Studien — reduziert Sturzrisiko um bis zu 40 %.

Hilfsmittel & Versorgung

Gehstock / Rollator

Krankenkasse

Arztrezept nötig. Rollator hat mehr Stabilität als Gehstock — bei höherem Sturzrisiko bevorzugen.

Hüftprotektor

Hilfsmittelliste

Polstereinlage in der Unterwäsche die bei Sturz Hüfte schützt. Besonders bei erhöhtem Sturzrisiko und Osteoporose sinnvoll.

Hausnotruf

Entlastungsbetrag (131 €/Mo)

Wenn Sturz passiert und niemand da ist: Hausnotruf ermöglicht schnelle Hilfe.

Orthopädische Schuhe

Krankenkasse (ärztl. Verordnung)

Bei Gangstörungen oder Fehlstellungen die Sturzrisiko erhöhen.

Häufige Fragen

Wie kann man Stürze im Alter verhindern?

+

Die wirksamsten Maßnahmen: Gleichgewichtstraining (30–40 % weniger Stürze), Wohnungssicherung (Haltegriffe, rutschfreie Böden), Medikamente auf Schwindelnebenwirkungen überprüfen lassen, gutes Schuhwerk, regelmäßiger Sehcheck.

Welche Übungen helfen gegen Sturzgefahr?

+

Einbeinstand, Aufstehen vom Stuhl ohne Hände, Tandemgang, Zehenspitzenstand. Tai Chi und Yoga für Senioren sind in Studien besonders wirksam. Täglich 10–15 Minuten sind wirksamer als ein langer Sporttag.

Bezahlt die Krankenkasse Hilfsmittel zur Sturzprävention?

+

Rollator und Gehstock: Krankenkasse mit Rezept. Hausnotruf: über Entlastungsbetrag (131 €/Monat) der Pflegekasse. Hüftprotektor: oft über Hilfsmittelliste. Wohnraumanpassungen: Pflegekasse bis 4.180 €/Maßnahme.

Was tun wenn jemand gestürzt ist?

+

Nicht sofort aufrichten wenn Verletzung möglich. Notarzt rufen bei Verdacht auf Knochenbruch, Kopfverletzung oder Bewusstlosigkeit. Danach Arzt aufsuchen, Ursache des Sturzes analysieren, Präventionsmaßnahmen anpassen.