8 Min Lesezeit · Apr. 2026

MDK-Begutachtung Tipps — so bereiten Sie sich richtig vor

Die MDK-Begutachtung (seit 2023: MDS — Medizinischer Dienst) entscheidet über den Pflegegrad — und damit über hunderte Euro monatlich an Kassenzuschüssen. Viele Familien unterschätzen wie wichtig die Vorbereitung ist. Der Gutachter sieht den Pflegebedürftigen einmal, für etwa eine Stunde. Was in dieser Stunde gesagt und gezeigt wird, zählt.

Der häufigste Fehler

Pflegebedürftige geben sich beim Besuch des Gutachters mehr Mühe als sonst — aus Stolz oder um niemanden zu belasten. Das Ergebnis: zu niedriger Pflegegrad, zu wenig Zuschüsse. Den Gutachter interessiert der schlechteste typische Tag — nicht der gute Tag.

Wie die MDK-Begutachtung abläuft

Nach dem Pflegekassen-Antrag beauftragt die Kasse den Medizinischen Dienst mit einer Begutachtung. Ein Gutachter (Arzt oder Pflegefachkraft) kommt zu einem angekündigten Termin nach Hause.

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    Terminankündigung

    Kasse teilt Termin mit — in der Regel 1–2 Wochen Vorlauf. Termin kann verschoben werden wenn nötig.

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    Hausbesuch ca. 60–90 Minuten

    Gutachter befragt Pflegebedürftigen und Angehörige. Prüft 6 Lebensbereiche (Module). Schaut sich die Wohnsituation an.

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    Die 6 Module des NBA

    Mobilität, kognitive Fähigkeiten, Verhaltensweisen, Selbstversorgung, Umgang mit Erkrankungen, Alltagsleben. Jedes Modul wird einzeln bewertet und gewichtet.

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    Gutachten und Bescheid

    Gutachter erstellt Bericht, Pflegekasse erteilt Bescheid. Dauer: 4–6 Wochen. Bei Widerspruch: erneute Begutachtung möglich.

Konkrete Vorbereitung — Checkliste

Pflegetagebuch mindestens 2 Wochen vor dem Termin beginnen

Besonders wichtig

Medikamentenliste aktuell und vollständig ausdrucken

Besonders wichtig

Alle Diagnosen und Krankenhausberichte bereithalten

Besonders wichtig

Hilfsmittel sichtbar platzieren (Rollator, Badehilfen, Haltegriffe)

Besonders wichtig

Angehörige oder Vertrauensperson beim Termin dabei haben

Besonders wichtig

Liste aller benötigten Hilfen beim Waschen, Anziehen, Essen notieren

Besonders wichtig

Nächtliche Unterbrechungen dokumentieren (wie oft, warum)

Besonders wichtig

Den schlechtesten typischen Tag beschreiben — nicht den guten

Besonders wichtig

Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung griffbereit haben

Hausarzt informieren dass Begutachtung stattfindet

Das Pflegetagebuch — das wichtigste Vorbereitungsinstrument

Ein Pflegetagebuch dokumentiert täglich welche Hilfe geleistet wurde — mit Zeitangaben. Es ist das stärkste Argument wenn der Gutachter fragt wie viel Unterstützung wirklich nötig ist.

Was ins Pflegetagebuch gehört

Morgens

Aufstehen (alleine? mit Hilfe?), Waschen, Ankleiden, Frühstück — Zeit und Art der Hilfe

Tagsüber

Toilettengänge, Medikamente, Mahlzeiten, Mobilität, Stürze, Verwirrtheitsepisoden

Abends

Abendessen, Abendroutine, Zubettgehen — wie lange dauert es, wer hilft

Nachts

Wie oft aufgewacht, warum, wer musste helfen, wie lange dauerte es

Besonderheiten

Schlechte Tage dokumentieren — Aggressivität, Orientierungslosigkeit, Stürze, Schmerzen

Am Begutachtungstag — was zu beachten ist

Angehörigen dabeihaben

Eine vertraute Person ergänzt und korrigiert wenn der Pflegebedürftige etwas vergisst oder unterschätzt.

Nicht übertreiben — aber auch nicht untertreiben

Den normalen schwierigen Alltag beschreiben. Keine Dramatisierung nötig, aber auch kein Schönreden.

Konkrete Beispiele nennen

"Er kann die Hose nicht alleine anziehen weil er das Gleichgewicht verliert" ist stärker als "Er braucht manchmal Hilfe."

Pflegetagebuch bereithalten

Dem Gutachter zeigen. Es belegt was verbal gesagt wird.

Hilfsmittel nicht verstecken

Rollator, Haltegriffe, Inkontinenzmaterial — alles sichtbar lassen. Das zeigt den tatsächlichen Versorgungsbedarf.

Nachfragen erlaubt

Was wurde in welchem Modul wie bewertet? Gutachter müssen Auskunft geben.

Ergebnis zu niedrig? Widerspruch einlegen!

Wer den Bescheid für zu niedrig hält, kann innerhalb von 4 Wochen Widerspruch einlegen — kostenlos und ohne Risiko. Eine erneute Begutachtung wird angesetzt. Widerspruch einlegen — wie es geht

Häufige Fragen

Wie bereitet man sich auf die MDK-Begutachtung vor?

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Pflegetagebuch führen (2+ Wochen vorher), Medikamente und Diagnosen auflisten, Hilfsmittel sichtbar lassen, Angehörige dabei haben, schlechtesten typischen Tag beschreiben — nicht den guten.

Was prüft der MDK-Gutachter genau?

+

Das NBA (Neue Begutachtungsassessment) prüft 6 Module: Mobilität, kognitive Fähigkeiten, Verhaltensweisen, Selbstversorgung, Umgang mit Erkrankungen, Alltagsleben. Jedes Modul wird gewichtet — Selbstversorgung zählt am stärksten.

Darf jemand beim MDK-Termin dabei sein?

+

Ja — und es ist sehr empfehlenswert. Eine vertraute Person ergänzt, korrigiert und stellt sicher dass alle relevanten Einschränkungen genannt werden.

Was wenn der Pflegegrad zu niedrig ist?

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Innerhalb von 4 Wochen Widerspruch einlegen — kostenlos, ohne Risiko. Kasse muss erneut begutachten. Mit Pflegetagebuch und konkreten Beispielen ist der Widerspruch oft erfolgreich.

Was ist ein Pflegetagebuch und wie schreibt man es?

+

Tägliche Aufzeichnung welche Hilfe geleistet wurde — mit Zeitangaben. Morgens, tagsüber, abends, nachts. Besondere Ereignisse (Stürze, Verwirrtheit) dokumentieren. Mindestens 2 Wochen vor dem Termin beginnen.